
Revolutionierte David Lynch mit seiner surrealen Seifenoper "Twin Peaks" noch das
US-Fernsehen, indem er sämtliche Stilelemente klassischer soap operas karikierte und Sex
wie Drogen in für Amerikaner ungewohntem Maße auf dem Bildschirm einführte, liefert er nun
einen faden filmischen Neuaufguß seiner eigenen Kultserie. An die Stelle bizarrer Visionen
ist ein uninspirierter Bildersalat getreten, der sich als großer Bluff entpuppt.
Dem Kinozuschauer wir vorgeführt, was in den Tagen vor Lauras Ermordung geschah.
Dafür erfährt er nichts Neues, Altbekanntes wird vielmehr visualisiert. Lynch übernimmt das
Erfolgsprinzip der Serie. Er errichtet eine
Fassade aus Absurdität, hinter der das Grauen lauert. Einziger Unterschied zum TV:
Bei den Gewaltszenen macht Lynch zudem den entscheidenden Fehler, nun wirklich alles im Bild
zeigen zu wollen. Dabei kann kein Mord so entsetzlich sein wie der, den sich der Zuschauer
anhand von Andeutungen im Kopf ausmalt. Die Phantasie ist weitaus grausamer als das reale Bild.
Mit den Einfällen, die die Serie faszinierend machten, geizt der Film: Die Ironie, die uns
labbrige Doughnuts und Kirschkuchen auf amüsante Art näherbrachte, ist völlig auf der Strecke
geblieben. Die absurden Handlungsfäden, die in ihrer Abgedrehtheit die TV-Fans bei der Stange hielten,
mußten einer peniblen Rekonstruktion des Verbrechens weichen, bei der im Vergleich selbst
"Aktenzeichen XY" noch mehr Esprit versprüht. "Gaststars" wie David Bowie und Chris Isaak,
die den Film aufpeppen sollen, verdankten ihr Mini-Auftritte offenbar ausschließlich kommerziellem
Kalkül. Mit bekannten Namen ist ein Projekt halt leichter zu verkaufen. Der Reiz des grünen Dollars
muß sehr groß gewesen sein. Anders läßt sich dieser müde Nachzügler kaum erklären.