Twin Peaks - Der Film
par Heiko Rosner

Twin Peaks

Halluzination oder Realität? Laura Palmer und FBI-Agent Dale Cooper im rätselhaften "Roten Raum"

Eine Wasserleiche kehrt zurück. Laura Palmer, jung, schön und tot. war das emotionale Herzsstück von David Lynchs Kult-Fernsehserie "Twin Peaks". Wo auch immer die morbide Kleinstadt-Saga ausgestrahlt wurde, rätselte die Anhängerschaft, wer der Mörder der blonden Abschlußballkönigin sein könnte. Nachdem der Indizien-Salat von Folge zu Folge immer verwirrender und kaum noch übersehbar geworden war, wurde in der 18. Episode der Schleier gelüftet: der lust-greise Vater war`s. Von nun an rutschten die Einschaltquoten in den Keller. Zwar wurden noch elf weitere Episoden gedreht, aber die Serie hatte ihr Geheimnis verloren. In "Twin Peaks - Der Film" wird die "erste nekrophile Ikone der Popkultur" (Robert Fischer) exhumiert. Die letzten sechs Tage im Leben der Laura Palmer - ein Grabgesang in Schrill. Mit der Explosion eines Fernsehgeräts wird zu Beginn des Films der symbolische Sprung vom Bildschirm auf die Leinwand vollzogen. In einem halbstündigen Epilog, der ein Jahr vor dem Tod Laura Palmers spielt, untersucht der FBI-Agent Chet Desmond in Oregon den Mord an einer jungen Kellnerin. Der Fall weist gewisse Zusammenhänge mit dem tragischen Schicksal von Laura auf. Szenenwechsel und Zeitsprung nach Twin Peaks: Laura, wie in der TV-Serie von Jungstar Sheryl Lee dargestellt, führt zwischen Schulbank und Nachklub ein gefährliches Doppelleben. Hinter der sorgsam gehüteten Charaktermaske des hübschen Mädchens von nebenan verbergen sich Abgründe von Selbstzerstörung und Angstneurosen, die sie in einem unstillbaren Drogenkonsum zu ersticken sucht. Bis es zum absehbaren Ende, dem Mord an Laura, kommt, hagelt es reihenweise die "Twin Peaks"-üblichen surrealen Effekte und optische Verfremdungen.

David Bowie

David Bowie als FBI-Mann Jeffries

"Twin Peaks" hat als Fernsehserie Konventionen gebrochen, erschöpft sich auf der Leinwand jedoch in manieristischen Neuauflagen der eigenen Stilbrüche, die nun nicht mehr originell, sondern gekünstelt wirken. Die Handlung zieht sich über mehr als zwei Stunden dahin, ohne je zu einem nennenswerten Höhepunkt zu finden. Das entscheidende Manko: Die lebende Laura Palmer entpuppt sich als überspannte Provinz-Nudel, deren hektisches Lamentieren und hysterisches Gekreische eine positive Identifikation mit der Hauptfigur schwer ermöglicht. Ein Umstand, der im wesentlichen die emotionale Kühle und ereignislose Monotonie des Films begründet. So bleibt "Twin Peaks" im Kino leider nur eine ästhetische Blaupause der Fernsehserie.

Ein bißchen aufgedunsen nur, wie es sich für Wasserleichen gehört.

Heiko Rosner
cinema, Août 1992

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